KAPITEL 1
Motivation des Herzens
Warum wir beten
  KAPITEL 5
Die Fürbitte der Braut
Vollmacht durch Nähe
  KAPITEL 9
Die Liebe zum leidenden Knecht
Die Gemeinschaft der Braut mit den Leiden Christi
       
  KAPITEL 2
Mit neuen Augen sehen
Das Brautparadigma, Teil 1
  KAPITEL 6
Die Krieg führende Braut
Der Kampf gegen Gedankenfestungen
  KAPITEL 10
Das Versagen von menschlichem Eifer
Heilung und Wiederherstellung durch seine Liebe
           
  KAPITEL 3
Das Lied des Bräutigams
Das Brautparadigma Teil 2
  KAPITEL 7
Weisheit und Vollmacht durch Nähe
Das Beispiel der Maria von Bethanien
  KAPITEL 11
Bis er wiederkommt
Lobpreis und Gebet rund um die Uhr
           
  KAPITEL 4
Das Elend der Witwenschaft
Die Trostlosigkeit des entfremdeten Gebets
  KAPITEL 8
Die Vision unseres Herzens
Und der Plan Gottes für unser Leben
  EPILOG
Und sie lebten glücklich bis in alle Ewigkeit
Die ewige Offenbarung der Herrlichkeit Jesu
           
 
     
     
 
 
 
Die Heilige Schrift überliefert uns noch einen anderen Bericht, der meiner Meinung nach das wahre Konzept von der Fürbitte der Braut widerspiegelt. Es ist die Geschichte Esthers im Alten Testament. Sie zeichnet uns eine Reihe dramatischer historischer Ereignisse auf, die schließlich zu dem führen, was Gott mit wahrer Fürbitte beabsichtigt. Esther verkörpert die Fürbitte der Braut, deren Wirkungskraft die Geschichte eines ganzen Volkes wendete. Vielleicht hatte Jesus diese Geschichte im Hinterkopf, als er das Gleichnis von Lukas 18 erzählte, denn Kern seiner Aussage war der, dass der Gläubige im Gebet von Gottes Gunst und Zuwendung ausgehen kann.
 
 
Esther: eine Allegorie der Fürbitte der Braut
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Die Geschichte ist wohlbekannt: der König, der hier in dieser Geschichte die Macht und Herrlichkeit Gottes repräsentiert, ist gütig und freigiebig. Er hat seine erste Frau verstoßen, da sie sich weigerte, vor ihm und seinen Obersten zu erscheinen und ihre Pracht und Schönheit zu zeigen. Die Aufforderung des Königs war durchaus legitim und hatte nichts mit der Befriedigung lüsterner Begierden zu tun. In der damaligen Kultur spiegelte die Pracht und Schönheit der Braut die Herrlichkeit des Königs wider. Als sie sich also weigerte, ihre Schönheit vor dem König und seinen Gäste sehen zu lassen, brachte dies dem König große Schande.    
Er begehrt eine Braut, durch die seine Herrlichkeit sichtbar wird, durch deren unbeschreibliche Pracht, Schönheit und Sanftmut ihm noch mehr Ehre zuteil wird. Genau das lässt uns das Herzen Gottes für uns als Sein Volk widerspiegeln. So sucht der König eine neue Braut und man lässt verschiedene auserwählte Kandidatinnen vor den König treten. Dabei zeichnet sich Esther mit großer Weisheit aus. Sie weiss, sie darf mit allem vor den König treten, von dem sie glaubt, das es sein Herz gewinnen wird. In ihrer Weisheit bittet sie vorher Hegai um Rat und fragt ihn, woran der König Gefallen hat.    
Sie kleidet sich nach seinem Ratschlag in den Kleidern der Gerechtigkeit, in Hochzeitsgewändern. Der König ist von ihrer Schönheit sofort bezaubert und er macht sie umgehend zu seiner Braut.    
Schließlich kommt es zu einem Punkt in ihrem Leben, wo sie in großer Not steht. Ihr eigenes Leben und das ihres Volkes steht auf dem Spiel. Jetzt erkennt sie, dass dies der Zeitpunkt ist, weswegen sie zu dieser Machtposition als Königin gekommen ist, – um für diese Situation eintreten zu können. Aber sie nähert sich nicht dem König, indem sie den Thronsaal erstürmt. Stattdessen kleidet sie sich mit den Kleidern, an denen er Gefallen hat, und tritt sanftmütig und mit großer Furcht vor den König – die Braut vor den Bräutigam.    
Natürlich heisst er sie willkommen, und von ihrer Pracht und Schönheit bezaubert, streckt er ihr sein Zepter entgegen, das Symbol seiner Autorität. Nachdem sie es berührt, lädt er sie dazu ein, ihm doch ihre Bitte zu nennen. Doch ihre Antwort ist verblüffend. Sie bestürmt ihn nicht mit ihrer Not, sondern lädt ihn zu einem Fest ein, das sie ihm zu Ehren vorbereitet hat. Das ist ein Bild für Anbetung und Bewunderung, und als er zu dem Mahl erscheint, dient sie ihm aus der ganzen Fülle ihrer Liebe. Während des Mahls fragt der König sie wieder, was er für sie tun kann, doch sie bittet ihn lediglich, am nächsten Tag zu einem weiteren Mahl zu erscheinen. Erst inmitten dieses zweiten Festmahls und auf das Drängen des Königs hin, erwähnt Esther die Verschwörung gegen sie und ihr Volk.    
Der König ist erzürnt, da es seine Braut ist, die bedroht wird. Nachdem er entdeckt, wer hinter diesem Komplott steckt, befasst er sich mit seinem Feind. Esther spricht nicht ein einziges mal mit Haman, sie widersteht ihm nicht, bindet ihn nicht, sie schenkt ihm auch gar keine Aufmerksamkeit. Ihr Blick ist ganz auf die Macht und Herrlichkeit des Königs fokussiert, wohl wissend, dass es völlig in seiner Macht steht, ihren Feind zu handhaben.    
Ich bin davon überzeugt, dass dies die Art von Fürbitte ist, die der Herr uns heute offenbaren will – anbetende Fürbitte, die von der Herrlichkeit und Macht des Königs gefesselt ist, wohl wissend, dass sie wie Anbetung vor seinem Thron aufsteigt. Dann erhebt sich der Herr der Heerscharen und macht sich bereit, gegen Seine Feinde auszuziehen (vgl. Jesaja 42,10-13). Das verzweifelte Flehen der Witwe ist gar nicht notwendig. Wir haben einen Bräutigam. Er ist der König des Universums und er ist völlig hingerissen von Seiner Braut. Selbst die «Wehen» in unseren Gebeten sind dann nicht von dem Getriebensein gekennzeichnet, «ihn zum Handeln zu bewegen». Es sind Geburtswehen der Freude, die das Resultat von einer fruchtbaren Beziehung zwischen dem König und Seiner Braut hervorbringen.    
Mein Gebet ist, dass der Herr eure Herzen in dieser Gewissheit festigt, dass ihr von Seiner Herrlichkeit erfüllt werdet und dass ihr die Freude kennen lernt, dem Herrn auf diese Weise zu dienen.    
 
     
     
   
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