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| In diesem Kapitel wird auf einige Darstellungen des königlichen Bräutigams im Hohenlied Salomos hingewiesen und anhand der Berichte der vier Evangelien im Neuen Testament aufzeigt, wie sie in Jesus Erfüllung finden. Es sind acht Bilder, für die der Autor unsere Aufmerksamkeit wecken will. |
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| DAS LIED DES BRÄUTIGAMS |
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| Acht Bilder des Bräutigams |
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| Mein Anliegen ist, dass wir über diese Bilder nachsinnen und dass in unseren Herzen das Verlangen geweckt wird, eine tiefere Gemeinschaft mit ihm zu suchen und ihn aus der Nähe kennen zu lernen. |
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| Bild 1: Der einladende Hirte |
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| Die Dimension des Charakters Jesu, die ich als «den einladenden Hirten» bezeichne, finden wir in der Allegorie in Kapitel eins des Hohenliedes. Dort lädt der König die schulamitische Hirtentochter zu sich ein. Der König verkörpert in diesem Lied die Person Jesu und die Schulamiterin die Braut Christi. |
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| Es ist wichtig, dass wir von Anfang an verstehen, dass die Sprache des Liedes symbolisch ist. In dem allegorischen Interpretationsansatz spiegelt die Geschichte die Beziehung Jesu zu seiner Braut wider. Die «Küsse seines Mundes» beziehen sich daher nicht auf die Dynamik einer sinnlichen Beziehung zwischen Christus und seinem Volk, sondern auf die Berührung des menschlichen Herzens durch das Wort und den Geist Gottes. |
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| Wenn sein Wort durch die Schranken emotionaler und theologischer Barrieren in unser Herz dringt und uns mit der grundlegenden Wahrheit seiner Liebe berührt, dann ist dies ein Kuss, der lieblicher ist als alle anderen. Es ist ein Wohlgenuss, dessen Realität jedoch alle poetische Symbolik überschreitet. Selbst ein menschlicher Kuss ist nur ein graues Abbild dieser wunderbaren Erfahrung! |
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| Bild 2: Der leidenschaftliche Werber |
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| In meinem eigenen Leben ist eines meiner tiefsten Sehnsüchte, gewollt, geliebt und wertgeschätzt zu sein. Ich will die Herzensfreude eines anderen sein. Das kann man auch tatsächlich auf eine wunderbare Weise in einer menschlichen Beziehung erleben. |
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| Tief in unserem Inneren spüren wir, dass wir dazu geschaffen wurden, einen anderen zu lieben und von einem anderen unendlich geliebt zu werden. Etwas in uns lässt uns keine Ruhe, bis wir unserer Liebe mit einem leidenschaftlichen Zielbewusstsein Ausdruck geben können. Eine Liebe, die uns beflügelt und unseren Blick schärft. Das Bewusstsein dieser Sehnsucht verursacht einen Schmerz in der menschlichen Seele, der durch nichts gestillt werden kann als durch die liebevolle Berührung des einen, der unsere Seelen unendlich liebt. |
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| Er wartet auf unsere Antwort. Nur unsere leidenschaftliche Hingabe an ihn kann diese Sehnsucht in uns stillen. Nur er kann uns so in der Tiefe begegnen, nur er kann uns auf solche Weise lieben, die uns Erfüllung bringt. Und nur er kann uns das «Ja» als Antwort entlocken. |
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| Bild 3: Der herausfordernde Leiter |
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| In dem Leben eines jeden Gläubigen bricht irgendwann einmal eine Zeit heran, die sehr beunruhigend sein kann. Diese Unruhe spielt sich in unseren Emotionen ab. Sie wird durch die überwältigende Offenbarung verursacht, dass unser innig Geliebter und der Herrscher des Universums ein und dieselbe Person ist. |
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| Einerseits sind wir von einem angenehmen und faszinierenden Ehrfurchtsgefühl ergriffen, aber andererseits ist es furchterregend, da wir plötzlich die Tragweite und Konsequenzen der innigen Beziehung und Nähe zu diesem Mann Jesus Christus erkennen. |
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| In C. S. Lewis’ Der König von Narnia gibt es einen interessanten Abschnitt, in dem Herr Biber, einer der Bewohner von Narnia, die Neuankömmlinge (Kinder von England, die eines Tages im Königreich Narnia regieren werden) zu Aslan dem Löwen führt. |
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| Aslan repräsentiert die Christus-Figur in der Geschichte. Während sie sich dem Ort nähern, an dem sie ihm begegnen sollen, macht sich bei den Kindern immer mehr eine Art heilige Furcht breit, die sie entsprechend erzittern lässt. |
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| Eines der Kinder stellt Herrn Biber eine Frage, die die aufsteigende Furcht in der Seele eines Menschen vor der Begegnung mit einer uns transzendenten Realität auf den Punkt bringt: «Dieser Aslan – ist man denn sicher vor ihm?» |
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Das ist doch die Frage, oder nicht? Ein Teil in uns will die atemberaubende Liebe erleben, aber gleichzeitig wollen wir doch sicher gehen, dass wir uns auch wirklich an einen sicheren Ort begeben –
ganz besonders wenn es um eine romantische, abenteuerliche Liebe geht, die sich ja zu oft schon als unsicher erwiesen hat. |
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| Bild 4: Der herrliche Bräutigam |
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| Wenn wir unseren eigenen Ängsten begegnen, macht sich in uns oft eine Unruhe breit. Diese Unruhe gründet in der Angst, dass Gott uns nach unserem, anstatt nach seinem Maßstab richtet. |
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| Wir haben Angst, dass wir schließlich seiner Zuwendung und Liebe als unwürdig erachtet werden. Diese Gefühle haben bei wahrer Überführung von Sünde für einen Moment ihre Berechtigung. |
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| Allzu oft rühren sie jedoch von den Anklagen des Feindes in unseren Gedanken her, die uns verdammen und fälschlicherweise annehmen, dass Gott dies auch tut. Für uns ist es beinahe unmöglich zu begreifen, dass sein Urteil über uns auf ganz anderen Informationen beruht, als wir denken. |
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| Diese Erkenntnis muss jedoch der Heilige Geist in uns bewirken. Gott sieht eine Braut in ihrer Vollendung. Er sieht sie als Braut, deren Leben in seinem Sohn verborgen ist. Und der Sohn sitzt zur Rechten des Vaters. |
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| Deshalb kann er uns mit voller Zuversicht so sehen, wie wir sein werden, da uns in Christus das vollendete Wesen bereits geschenkt wurde. Genauso wie ein Kind in seine Identität hineinwächst, die ihm als Erbe vermacht wurde, so wachsen auch wir immer mehr in unsere wahre Identität hinein. |
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| Bild 5: Der himmlische Bräutigam |
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In Kapitel 4 des Liedes stärkt der König die Schulamiterin auf praktische
und wirkungsvolle Weise. Er spricht direkt von Herz zu Herz. Er spricht zu ihrem Herzen, was in seinem Herzen für sie lebt. Wenn wir diese poetische Sprache verstehen lernen, erkennen wir, dass die Verse 1 bis 15 eine der gewaltigsten Abschnitte in der Heiligen Schrift sind. Hier ein paar der ergreifendsten Inhalte:
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Siehe, schön bist du, meine Freundin!
Ja, du bist schön!
Deine Augen sind wie Taubenaugen
hinter deinem Schleier.
Alles an dir ist schön, meine Freundin,
und kein Makel ist an dir.
Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester, meine Braut!
Deine Liebe ist lieblicher als Wein,
und der Geruch deiner Salben als alle Gewürze!
Meine Schwester, meine Braut,
du bist ein verschlossener Garten,
eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born.
Ein Gartenbrunnen bist du,
ein Born lebendigen Wassers, das vom Libanon fließt.
Hohelied 4,1.7.10.12.15
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| Es ist eine Sache, diese Passage als ein poetisches Kunstwerk der Menschheitsgeschichte zu betrachten. Wir alle haben romantische Geschichten von der überwältigenden Liebe eines Mannes für eine bezaubernde Frau gelesen. Aber es ist eine ganz andere Sache, wenn wir erkennen, dass diese Passage nur ein dunkles Abbild von der Liebe ist, die im Herzen Jesu für seine Braut brennt. Wenn wir beginnen, das zu erkennen, dann sind wir überwältigt. Ich erkenne, dass ich auf atemberaubende Weise geliebt bin. Das ist nicht nur irgendeine Geschichte – es ist meine Geschichte! Das ist die Liebe im Herzen Jesu für mich! |
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| Bild 6: Der leidende Knecht |
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| Inmitten der innigen Begegnung zwischen den beiden Liebenden stellt der König seiner Schulamiterin ein Konzept vor, das der Denkweise der Braut völlig fremd ist. Es ist ihr so fremd, dass es ihr beinahe völlig entgeht. |
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| Wie wir alle besitzt auch die Schulamiterin im Unterbewusstsein die unglaubliche Redigierfähigkeit, Gedankengänge und Wahrnehmung zu löschen, die über den Rahmen ihrer eigenen Erfahrungen oder Erwartungen hinausgehen. Oft hören oder sehen wir bestimmte Dinge nicht, weil wir gar nicht erwarten, sie zu hören oder zu sehen – ganz besonders die Dinge, die sich über die Grenzen und den Rahmen unserer theologischen Vorstellungen hinwegsetzen. |
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| Inmitten seines zarten Werbens um ihr Herz fängt sie langsam an, seinen Worten Glauben zu schenken. |
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In diesem Moment ungezähmter Beteuerungen der Liebe und Hingabe
sagt die Braut: «Komme was wolle! Egal was es kostet, der König soll
sich vollends an mir erfreuen können – das soll geschehen!» |
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| Der «Nordwind» symbolisiert an dieser Stelle die Bedrängnisse, die sie läutern und ihr Herz zu wahrer Liebe heranreifen lassen. Sie nimmt sie an – zusammen mit dem Südwind, den segensreichen Umständen, denn sie erkennt, dass für einen Reifungsprozess beides nötig ist. |
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| Sie erwacht zu einem neuen Paradigma der Liebe und Nähe, das Leiden und Schwierigkeiten zum Zweck des Reifens in der Liebe mit einbezieht. |
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| Bild 7: Der majestätische Gott |
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| Ich bin davon überzeugt, dass der Leib Christi eine Erneuerung in seinem Verständnis von der Herrlichkeit und Majestät des Mannes Jesus Christus braucht. |
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| Es ist wichtig, dass wir als seine Braut erneut dazu finden, ihn als den wunderbaren, erhabenen und grenzenlosen Herrn des Universums zu erheben und zu verherrlichen. Das nimmt einen besonders wichtigen Platz im Gebet ein. |
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| Ich habe vor kurzem gelesen, dass eines der vernachlässigsten Themen in unseren Predigten und Bibelarbeiten die Person Gottes sei. Wir sind so auf unser eigenes persönliches Wohl bedacht und so damit beschäftigt, unsere eigene Vision zu verwirklichen oder eigene Bedürfnisse zu stillen, dass wir den Blick für die Herrlichkeit und Majestät des einen verloren haben, ohne den letztendlich doch alles vergebens ist. |
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| Wenn unsere Anbetung auf die Herrlichkeit des Herrn gerichtet ist und ihn einfach nur bewundert, anstatt eigene Bedürfnisse zu stillen, dann trifft das Unerwartete ein. Genau dann wird mir ein viel höherer Friede und eine tiefere Ruhe zuteil als dann, wenn ich nach Frieden und Ruhe in meiner Anbetung strebe. |
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| Die Realität seiner Herrlichkeit hat Paulus zu der folgenden Aussage geführt: «Denn ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiss, er kann mir bewahren, was mir anvertraut ist, bis an jenen Tag!» Die Beziehung und Nähe zu Jesus bringt unsere Herzen zur Ruhe. Sie Schulamiterin wusste, dass sie am besten Frieden und Ruhe findet, wenn sie ihre Augen auf die Herrlichkeit und das wunderbare Wesen ihres Königs richtet. |
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| Bild 8: Das verzehrende Feuer |
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Die letzte sinnbildliche Offenbarung von Jesus im Hohenlied Salomos ist die des verzehrenden Feuers – des leidenschaftlichen Werbers, der meine Seele mit seiner brennenden Liebe verzehrt. Dieses letzte Portrait finden wir in Kapitel 8: |
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Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz,
wie ein Siegel auf deinen Arm.
Denn die Liebe ist stark wie der Tod
und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.
Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN.
So dass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen
und Ströme sie nicht ertränken können.
Wenn einer alles Gut in seinem Hause
um die Liebe geben wollte,
so könnte das alles nicht genügen. Hohelied 8,6 – 7 |
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| Es ist eine Sache, diese Passage als ein poetisches Kunstwerk der Menschheitsgeschichte zu betrachten. Wir alle haben romantische Geschichten von der überwältigenden Liebe eines Mannes für eine bezaubernde Frau gelesen. Aber es ist eine ganz andere Sache, wenn wir erkennen, dass diese Passage nur ein dunkles Abbild von der Liebe ist, die im Herzen Jesu für seine Braut brennt. Wenn wir beginnen, das zu erkennen, dann sind wir überwältigt. Ich erkenne, dass ich auf atemberaubende Weise geliebt bin. Das ist nicht nur irgendeine Geschichte – es ist meine Geschichte! Das ist die Liebe im Herzen Jesu für mich! |
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